Aktuelles / Leiharbeiter stürzt vom Dach: Bauleiter wird zu 1 Million Euro Schadensersatz verurteilt

Leiharbeiter stürzt vom Dach: Bauleiter wird zu 1 Million Euro Schadensersatz verurteilt

Ein Bauleiter wurde vom Landesgericht Mainz zur Zahlung von 942.436,13 Euro verurteilt, weil er den Absturz eines Leiharbeiters grob fahrlässig herbeiführte.

 

Unfallhergang: Absturz vom Dach

Bei der Durchführung von Dacharbeiten auf einem Kantinengebäude verlor ein Zimmermann, der als Leiharbeiter eingesetzt wurde, das Gleichgewicht. Er stürzte 5,50 m in die Tiefe und prallte auf einen Betonboden. Durch den Aufprall zog er sich schwerste Verletzungen zu.

Kurz vor dem Unfall wurde der Bauleiter ausdrücklich darauf hingewiesen, dass nur Teilflächen des Daches mit Sicherheitsnetzen gegen Absturz gesichert waren. Dieser Zustand entsprach nicht den einschlägigen Unfallverhütungsvorschriften. Dennoch veranlasste der Bauleiter keine entsprechenden Sicherheitsmaßnahmen.

Der Geschädigte zog sich starke Schädel- und Wirbelsäulenverletzungen zu und ist seit dem Unfall querschnittsgelähmt. Weiterhin hat er seinen Geruchs- und Geschmackssinn verloren, leidet an vollständiger Blasen- und Mastdarmentleerungsstörung sowie an einem hirnorganischen Psychosyndrom. Seinen Beruf als gelernter Zimmermann kann er in diesem Zustand nicht mehr ausüben.

 

Grobe Fahrlässigkeit des Bauleiters

Die Berufung des Beklagten wurde vom Oberlandesgericht Koblenz zurückgewiesen. Nach § 110 Abs. 1 SGB VII habe der Beklagte den Versicherungsfall grob fahrlässig herbeigeführt. Auch bei Leiharbeitern muss der auf der Baustelle verantwortliche Vorgesetzte seiner Sorgfaltspflicht nachkommen. Demnach wäre der Bauleiter verpflichtet gewesen, seinen Arbeitnehmern keine Arbeit zuzuweisen, welche die Gesundheit gefährdet. Der verunglückte Zimmerer versuchte lediglich die ihm zugeteilten Aufgaben auf dem Dach zu erledigen; ihn trifft keine Schuld am Unfall. Sein Vorgesetzter haftet als Alleiniger.

 

Quelle:
Aktenzeichen 2U574/12, OLG Koblenz, Urteil vom 22.05.2014
Vollständiges Quellenmaterial unter: https://dejure.org/dienste/vernetzung/rechtsprechung?Gericht=OLG%20Koblenz&Datum=22.05.2014&Aktenzeichen=2%20U%20574/12

 

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Dieses Beispiel verdeutlicht, dass sich der Arbeitgeber unter keinen Umständen der Sorgfaltspflicht gegenüber den Angestellten entledigen kann. Der Arbeitgeber ist für die Sicherheit seiner Angestellten sowie Leiharbeiter verantwortlich und haftet, wenn etwas passiert.
Einen ähnlichen Fall gab es beim Oberlandesgericht Oldenburg. Lesen Sie mehr dazu: Absturz vom Dach: Wer haftet bei unzureichenden Sicherungsmaßnahmen?

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